Eine Pandemie und ihre Freiräume
Sardinien sollte nach Fünf Jahren Asien der neue Lebensraum sein. Es kam paralysierend anders. Die Corona Pandemie breitete sich aus und offene Türen wurden verriegelt. In dieser scheinbar alles umwerfenden und narkotisierenden Zeit schauten mein Mann und ich auf unsere Gestaltungsmöglichkeiten um die Handlungsfähigkeit positiv zu stärken. In der Unfreiheit Freiheit finden.
Wir verließen den geplanten Weg. Ich entschied mich für eine umfassende Fortbildung, studierte online und wir reisten mit dem Auto sowie es die Landesgrenzen innerhalb der Pandemie zuließen. Wir reisten quer durch ganz Europa. Es folgte das Atlas Gebirge Marokkos, die Atem beraubende Sahara bis an die Grenze Mauretaniens. Wir reisten drei Jahre Off Road und diese Jahre werden mit jedem vergehenden Tag wertvoller.
Off Road reisen heißt weg von den offiziellen Straßen. Off Road geht absolut unter die Haut. Jedenfalls unter meine. Es mobilisierte Energien auf eine für mich noch nie dagewesene Art. Schlafen im Dachzelt. Waschen am Fluss. Natur ganz nah! Jeder Tag ist eine Begegnung mit dem Unbekannten. Jeder Tag ist achtsamer Umgang mit Ressourcen.
Bedürfnisse wurden, für einen New Comer wie mich, in vielerlei Hinsicht auf eine harte Probe gestellt. Eine kleine Tasche für meine Welt der Mode und Kosmetik. Vielfalt war nicht vorhanden erstmal und dann findet sie nach einer Weile in der Fantasie statt. Schlafen in der Alltagskleidung, weil das Ziel bis zum Anbruch der Dunkelheit nicht erreicht wurde. Einen rituellen Alltag im inneren zu gestalten ist befreiend.
Ein gebrochener Stabilisator in der Wüste und aufkommende Sandstürme im Dachzelt. Ich bin dankbar dies überstanden und durchlebt zu haben. Das Vorhandene wird zum Reichtum und das hingebungsvolle Loslassen des Gewohnten wird zur Überlebenskunst. Und … plötzlich… ist das zu kleine Dachzelt nicht mehr klein - es wuchs mit der Zeit. Der Kühlschrank … fast leer oder voll spielte keine Rolle.
Mein Denken…er ist gefüllt. Verzicht auf gewohnte Kleidung, Make-up und Wohnfläche wurde zu einer neuen Wurzel meines aktuellen Lebensraumes. Eine neue Form für das Hier und das Jetzt. Eine Kultur des Genug und der Fülle zugleich. Der Begriff des Verzichtes wird zu einem Geschenk an mich Selbst. Leichtigkeit und Sein. Kreativität und Verbundenheit mit uns Selbst. Dem Universum. Der Erdgemeinschaft.
Ich sehe diese Kultur des Genug mittlerweile als einen Weg, welcher nachhaltig unsere Zukunft gestalten kann. Eine Dynamik durch Degrowth. Vielleicht auch eine ökonomische Haltung mit buddhistischer Sichtweise. Alles was wir brauchen ist weniger als wir denken, als wir glauben. Ich verzichte nicht auf Schönheit oder auf wahrhaftigen Genuss. Ich verzichte sehr gern auf Masse.